Das polnische Zwischenoderland

Blick vom Mescheriner Seeberg ins Zwischenoderland Das als Landschaftsschutzpark streng nach den Kriterien eines Nationalparks geschützte Zwischenoderland ist der nördliche und polnische Teil des Internationalparkes. Es erstreckt sich zwischen Friedrichsthal auf deutscher und Gryfino (Greifenhagen) auf polnischer Seite.

Die rund 6.000 ha große Moorfläche wird durch Oder-Altarme und Kanäle auf einer Gesamtlänge von über 200 km durchzogen. Das Moorland entstand vor fast 10.000 Jahren während der letzten Eiszeit. Alljährlich wächst die Torfschicht um einen Millimeter. Die Bohrungen durch die insgesamt bis zu 9 m dicken Torfschichten ermöglichen einen Blick in die Vergangenheit und die Entstehungsgeschichte der einzelnen Pflanzen. 268 Pflanzenarten in 65 verschiedenen Pflanzengesellschaften wurden bis heute festgestellt.

80% der Fläche sind baumfrei und mit einer Sumpfvegetation, insbesondere mit Röhricht-, Schilf- und Seggengewächsen bedeckt. Über 40% der Fläche beanspruchen Hochgräser wie Schlank-, Steif- und Uferseggen. Auf über 30% der Fläche wachsen Rohr- und Schilfpflanzen wie das Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), das Gemeine Schilfrohr (Phragmites australis) und der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia). Auf 4% der Fläche finden wir Sumpfwälder, in denen Erlen und Eschen (Alnus, Fraxinus exelsior) dominieren, und Hochauenwälder mit Weiden und Pappeln (Salix, Populus).

Faunistisch ist vor allem der Reichtum an Libellen (Odonata) und Schmetterlingen (Lepidoptera) erwähnenswert. 168 Brutvogelarten konnten nachgewiesen werden, darunter Seeadler (Haliaeetus albicilla), Schwarzer Milan (Milvus migrans), Rohrdommel (Botaurus stellaris), Kranich (Grus grus), Löffelente (Anas clypeata), Rohr- und Kornweihe (Circus aeruginosus, Circus cyaneus), Graureiher (Ardea cinerea), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Pfeifente (Anas penelope), Sumpfohreule (Asio flammeus), Karmingimpel (Carpodacus erythrinus), Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Bartmeise (Panurus biarmicus). Bis zu 9.000 Kraniche (Grus grus) und 26.000 Gänse (Anserinae) werden während der alljährlichen Herbst- und Frühjahrswanderung beobachtet. Biber (Castor) und Fischotter (Lutra lutra) gehören zu den bemerkenswertesten Säugetieren des Schutzgebietes, beide sind freilich schwer zu beobachten, die Biberburgen aber sind kaum zu übersehen.

Schwimmfarn (Salvinia natans) und Seekanne (Nymphoides), See- und Teichrosen (Nymphaea, Nuphar) und vor allem die schier endlose Weite der Schilf- und Röhrichtbestände, aber auch der Hartholzauwald beeindrucken alle Besucher. Wasser und Land gehen hier stufenlos ineinander über.

In den Hartholzauwäldern bilden sich aus den Wurzelsystemen der Erlen sogenannte Haufen, auf denen sich verschiedene Pflanzen wie die Schwanenblume (Butomus umbellatus) ansiedeln. Bäume und Sträucher werden von Hopfen (Humulus), Ufer-Zaunwinde (Calystegia sepium) und Bittersüßem Nachtschatten (Solanum dulcamara) so stark bewachsen, dass das Gebüsch schwer zu betreten ist. Die um das Sonnenlicht konkurrierenden Pflanzen wachsen so stark, dass schwimmende Vegetationsinseln entstehen und den Lebensraum vergrößern.
 

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