Das Tal der Liebe

Romantisch-wild-verwunschen

Zwischen Niederkränig (Krajnik Dolny) und Niedersaathen (Zaton Dolna) befand sich bis zum Krieg ein ausgedehnter Landschaftspark mit Schweizerhaus, Bastei, Fasanerie und Goldfischteichen, der um 1850 angelegt und immer wieder erweitert worden war. Anna Sophie von Humpert hatte die Arbeiten zur Umgestaltung des Geländes veranlasst, als ihr Mann Carl Phillipp von Humpert, der damalige Landrat im Bezirk Königsberg/Neumark (Chojna) eine längere Dienstreise anzutreten hatte. Dieser naturnahe Landschaftspark trug damals den romantischen Namen Tal der Liebe. Später war das Tal ein beliebtes Ausflugsgebiet. Am Ufer der Oder und in Niedersaathen (Zaton Dolna) befanden sich Ausflugslokale die mit dem Dampfer erreicht werden konnten. Heute ist dieses Fleckchen Erde ein wilder und etwas verwunschener Ort.

Gedenkstein im Tal der Liebe Wer das Tal der Liebe erforschen will, muss von Schwedt kommend hinter der Oderbrücke in Krajnik Dolny (Niederkränig) nach rechts auf den Weg direkt an der Oder abbiegen. An vier verschiedenen Stellen befinden sich am Wegrand große Tafeln, die auf polnischer, deutscher und englischer Sprache zur Geschichte und Biologie des Gebietes informieren. Leider sind die abgebildeten Kartenausschnitte für den Wanderer wenig hilfreich. Wer das Tal der Liebe kennenlernen will, sollte erst an der vierten Tafel vom Uferweg aus nach links abbiegen. Nachdem er ein Stück Wiese überquert hat, erreicht er den Waldrand und wenige Schritte weiter die Kreuzung, an der mehrere Wege durch das Tal der Liebe zusammenlaufen. Das Gebiet ist nicht groß und man sollte problemlos immer wieder zu diesem Punkt zurückfinden.

Eine weitere Möglichkeit das Tal der Liebe zu erwandern, bietet sich wenige hundert Meter weiter, direkt am Ortseingang von Zaton Dolna (Niedersaathen).

Der frühere Park hat sich längst in einen nahezu natürlichen Wald verwandelt. Von den Baulichkeiten ist praktisch nichts mehr zu finden. Einige der verschlungenen Wege, auf denen erhebliche Steigungen zu überwinden sind, lassen sich als historische Parkwege identifizieren. Manche noch heute stehende Baumreihe deutet an, wo einst Wege verliefen. Viele Bäume sind weit über 100 Jahre alt. Eine mit Eichen bestandene Kuppe im Süden des Gebietes könnte die Bastei getragen haben. Vielleicht soll ein an einem Baum befestigtes hölzernes Kreuz daran erinnern. Auf einer anderen bewaldeten Hügelkuppe mit einem weiteren Holzkreuz befindet sich ein kleiner Findling, der die Inschrift "Ruinenberg" trägt.

Holztreppe im Tal der Liebe

Wer etwas länger in dem dichten Wald herumstöbert, findet im Unterholz eines weiteren Höhenzuges eine Anzahl von Findlingen, die in eigenwilliger Zusammenstellung Sinnsprüche aber auch die Namen bekannter Persönlichkeiten tragen, beispielsweise des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Otto von Bismarcks, des Grafen Yorck von Wartenburg, Robert Kochs, Justus von Liebigs, Friedrich von Bodelschwinghs oder Johann Hinrich Wicherns.

Mögen auch die Gebäude und die Gartenkultur verschwunden sein, beeindruckend ist der urwüchsige, aus Buchen (Fagus) und Eichen (Quercus), Linden (Tilia) und Birken (Betula), Ahorn (Acer) und Kastanien (Castanea) bestehende Wald allemal, ebenso die, wenn auch nur punktuelle Aussicht auf das Untere Odertal.

Das Gebiet steht seit 1992 unter Denkmalschutz, einige Wege, Holzbrücken und Geländer sind wiederhergestellt. Mehrere Tafeln sind aufgestellt, die polnisch- und deutschsprachig über das Gebiet informieren.