Gartzer Bruch

Anhand von alten Karten lässt sich die Entwicklung des Gartzer Bruches nachvollziehen. So bestanden nach einer schwedischen Matrikelkarte von 1693 große Bereiche des Friedrichsthaler Polders und des Großen Gartzer Bruches aus Erlenbruchwäldern. Auf den etwas höher gelegenen Bereichen fanden Stieleichen ihre Heimat. 1751 erließ Friedrich der Große eine Anweisung zur Regulierung der Boge Oder. Bereits um das Jahr 1827 bestanden zahlreiche Grabensysteme und kleine Torfstiche im Rahmen einer sogenannten Flachabtorfung. Die Eindeichung der Oder und die Dammerhöhung der Bundesstraße 2 erfolgten erst Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Die Zerstörung durch die sozialistische Landwirtschaft

In den Jahren 1963-1971 wurde für das gesamte Gebiet eine verhängnisvolle Komplex-Melioration durchgeführt, der viele Erlen und Weiden weichen mussten. Die Wasserabsenkung war mit bis zu zwei Metern so extrem, dass nachträglich Staustufen eingebaut werden mussten. Dies führte letztlich zu einer völligen Degeneration des Moorkörpers. Die Kapillarität des Bodens ging vollständig verloren, und eine starke Mineralisierung des Moores war die Folge.

Heute steht im Frühling das Wasser auf den Wiesen und vermag den festen "Moorzement" nicht mehr zu durchdringen. Im Sommer kann das Wasser von unten nicht mehr nachgezogen werden, so dass die Wiesen bereits im Juli völlig vertrocknen und Staubwolken aus mineralisierter Moorerde schon bei geringer Windstärke aufgewirbelt werden. Für dieses ursprünglich sehr wertvolle Moorgebiet muss ein Managementplan entwickelt werden, der endlich wieder eine Regeneration ermöglicht.

Während der Wintermonate lassen sich vom Deich aus sehr viele Wasservogelarten beobachten. Im gesamten Gebiet ist u. a. der Fischotter (Lutra lutra) heimisch, der sich jedoch nur selten sehen lässt. Uferschnepfe (Limosa limosa), Großer Brachvogel (Numenius arquata), Bekassinen (Gallinago gallinago) und Wachtelkönig (Crex crex) können vereinzelt gehört oder sogar beobachtet werden, mit etwas Glück auch der Seeadler (Haliaeetus albicilla). Während der Wiesenmahd im Juli sind mitunter Schreiadler (Clanga pomarina) zu beobachten oder die Weißstörche (Ciconia ciconia) bei der Futtersuche. Auf den frisch geräumten Wiesen tummeln sich oft Hunderte von Kiebitzen (Vanellus vanellus). Aus den Schilfstreifen und den Gehölzen am Ufer der Westoder lassen sich Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) und Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) hören.

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