Krähen- und Jungfernberge

Das Naturschutzgebiet "Krähenberge und Jungfernberge" wurde am 18.02.1938 festgesetzt. Die Krähenberge sind der Osthang, der das Odertal auf deutscher Seite nördlich von Stolzenhagen begrenzt. Oberhalb an diesem Hang siedelt mit einem Hainbuchen-Feldulmen-Hangwald ein Waldtyp, der in Deutschland sehr selten ist. Neben der Hainbuche (Carpinus betulus), der Flatterulme (Ulmus laevis), der Feldulme (Ulmus minor) und dem Feldahorn (Acer campestre) bestimmen viele Kräuter das Bild. Oftmals sind diese von einer mitteleuropäischen Lianenart, der Gemeinen Waldrebe (Clematis vitalba), schleierartig bis in die Baumwipfel überzogen. Hangabwärts erstreckt sich zunächst ein Hainbuchenwald, der im östlichen Hangbereich in einen Rotbuchenwald übergeht.


Leberblümchen

Was blüht da eigentlich?

In der Bodenschicht dieser Waldgesellschaften finden wir im Frühling mehrere Veilchenarten, die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), das Gelbe und das Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und der Mittlere sowie der Zwerg-Lerchensporn (Corydalis intermedia, Corydalis pumila) mit seinen rotvioletten Blütentrauben. Oftmals bereits im April erscheinen die blauvioletten Blütenbüschel der Leberblümchen (Hepatica nobilis), bevor die Pflanzen ihre charakteristischen dreilappigen Blätter treiben. Im Sommer fallen die großen, blaulila Blüten der Nesselblättrigen Glockenblume (Campanula trachelium) besonders auf.

Vom Trockenhang zum Wald

Besucht man die Krähenberge von Stolzenhagen kommend, erreicht man am Ende des Hangweges eine kleine Lichtung, wo noch die Reste der Trockenrasen am Nordhang des Krähenberges zu ahnen sind. Dieser Hang war noch 1965 weitgehend gehölzfrei, ist aber heute fast vollständig von wärmeliebenden Gebüschen wie Schlehe (Prunus spinosa), Weißdorn (Crataegus), Berberitze (Berberis), Liguster (Ligustrum) und mehreren Wildrosenarten zugewachsen, die ihrerseits bereits von Winterlinden (Tilia cordata), Hainbuchen (Carpinus betulus), Feldahorn (Acer campestre) und Eschen (Fraxinus exelsior) verdrängt werden. Dieser Hang ist ein Musterbeispiel für natürliche Waldentwicklung auf den ehemals durch Beweidung offen gehaltenen Trockenrasenflächen im Gebiet des Nationalparkes. Als besondere Rarität im tiefen Dickicht dieses Hanges gilt ein mehr als 180jähriger Wildapfelbaum, der früher als Hudebaum gedient haben dürfte.

Die Steppe

Am Jungfernberg, der sich nördlich an die Krähenberge anschließt, begegnet uns ein ganz anderes Vegetationsbild. Hier ist die für den Oderraum typische Wiesensteppe in einer außergewöhnlich artenreichen Struktur ausgeprägt, die fast das ganze Jahr über einen natürlichen Blumengarten darstellt. Besonders bemerkenswert sind die vielen Stauden des Kreuz-Enzians (Gentiana cruciata), die im Sommer, aber auch im Herbst mit ihren dunkelblauen Blütenbüscheln zu den Höhepunkten der Flora Ostbrandenburgs gehören. Der aufmerksame Besucher wird zwischen den dichten Stauden und Gräsern auch die sehr kleinen Rosetten des Sprossenden Donarsbartes entdecken, der im Gebiet um Stolzenhagen sein einziges aktuelles Vorkommen in Norddeutschland hat.

In den Krähenbergen wie auf dem Jungfernberg zeugen mehrere Laufgräben und eingefallene Bunkerstellungen von den schrecklichen Ereignissen der Apriltage von 1945, in denen die Oder Hauptkampflinie eines längst entschiedenen Krieges war.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Mit dieser Frage wird überprüft ob Sie ein Mensch oder ein SPAM-Programm sind.