Criewen

Das Nationalparkzentrum

Criewen ist das Zentrum des Nationalparks. Hier befindet sich mit dem Besucherinformationszentrum (BIZ) ein Anziehungspunkt für zahllose Touristen, die mehr über das Gebiet erfahren wollen, das sie gerade bereisen. In Criewen haben Nationalparkstiftung und Förderverein, aber auch die Nationalparkverwaltung ihren Sitz.

Im Criewener Schloss befindet sich die Brandenburgische Akademie „Schloss Criewen", ein Deutsch-Polnisches Umweltbildungs- und Begegnungszentrum.

Das etwas andere Dorf

In Criewen hat man die Kirche nicht im Dorf gelassen - so scheint es. Die Dorfkirche steht inmitten eines um 1820 angelegten Parkes. Aber das war nicht immer so. Ursprünglich stand auch sie inmitten eines Ortes.

1816 jedoch kaufte Rittmeister Otto von Arnim das schon über Jahrhunderte bestehende Gut Criewen. Er ließ das ebenfalls heute im Park gelegene Herrenhaus, in Criewen gern Schloss genannt, erbauen und beauftragte den Peter Joseph Lenné mit der Anlage eines Landschaftsparkes. Dafür musste das alte Dorf weichen und wurde weiter östlich wieder aufgebaut. So steht heute nur noch die Kirche an der alten Dorfstelle.

Der großzügige, gut erhaltene und hervorragend sanierte Park besticht durch seinen unmerklichen Übergang in die natürliche Landschaft. Immer wieder öffnet sich über Schneisen und Blickachsen die Weite der Natur. Heimischer Baumbestand bestimmt das Bild. Besonders schön sind einige angepflanzte "Exoten" z. B. Schwarzkiefern (Pinus nigra), Platanen (Platanus) und Sumpfzypressen (Taxodium). Der Park war schon in den Zeiten derer von Arnim der Dorfbevölkerung zugänglich.

Im Zentrum des Parkes steht die kleine, aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche, die heute freilich verputzt ist. Im 30jährigen Krieg zerstört, wurde sie ab 1668 wieder aufgebaut und 1692 eingeweiht, wie die Zahl in der Wetterfahne verrät. Aus dieser Zeit stammt auch die Sandsteintaufe im Innenraum. Den Altar schuf 1713 der Oderberger Tischlermeister Christian Kiel. 1830 wurde der Ostgiebel stufenförmig umgebaut und der Fachwerkturm in der heutigen Form errichtet. Die zu diesem Zeitpunkt eingebaute Patronatsloge derer von Arnim ist nicht mehr erhalten, jedoch das Gestühl mit dem Arnimschen Wappen, ebenso wie der Totenschild an der Empore.

Die Criewener Kirche

 

An der Innenseite der Kirchentür erinnert eine kleine Tafel an den Hochwasserstand der Oder im Jahre 1736. Etwa 40 cm über dem Fußboden markieren drei große Nägel die damalige Wasserlinie.

1856 wurde an die Westseite der Kirche ein Mausoleum der Familie von Arnim mit einer darunterliegenden Gruftanlage angebaut. Über dem Eingang ist wieder das Arnimsche Wappen zu sehen und innen Glasfenster mit den vier Evangelisten.

Den Kircheneingang flankieren zwei Grabsteine vom ehemals dort gelegenen Dorffriedhof. Der Obelisk mit der aufgesetzten Urne erinnert an Friederike Charlotte von Rebeur. Die von Rebeurs waren Gutsbesitzer von 1760 bis 1816 und stammten von hugenottischen Einwanderern ab. Sie waren vom Großen Kurfürsten ab 1685 ins Land gerufen worden, um die im 30jährigen Kriege entvölkerten Dörfer wieder zu besiedeln. Damals standen allein in Criewen achtzehn Gehöfte leer.

Die reformierten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, Refugiés genannt, brachten den Tabakanbau in die Region, an den noch heute viele Tabakscheunen erinnern. Bis zur Wende 1989 verdiente sich fast jede Familie mit dem Anbau von Tabak ein gutes Zubrot. Allerdings wird heute kaum noch Tabak gepflanzt.

Ein Grabkreuz erinnert an Pfarrer Michaelsen, der von 1802 bis 1826 in Criewen seines Amtes waltete und 1807 Preußische Soldaten verstecken, verpflegen und über die Oder bringen ließ, um sie vor der Gefangennahme durch Napoleonische Truppen zu schützen. Für seinen Widerstand gegen die französische Besatzungsmacht wurde er mit einem königlichen Dankesschreiben belobigt. Auch sonst war er ein streitbarer Zeitgenosse, denn im Archiv lagert ein umfangreicher Briefwechsel, der davon zeugt, dass er gegen die Verlegung des Dorfes Widerstand leistete und sich weigerte, das Pfarrhaus an den Teichen zu verlassen. Das Königliche Konsistorium musste schließlich den Neubau des Pfarrhauses gegen den Willen des Pfarrers anordnen.

Familie von Arnim

An der Nordseite der Kirche befindet sich der Patronatsfriedhof mit den Gräbern der Familie von Arnim.
In der Mitte des Patronatsfriedhofs liegen die Gräber von Bernd von Arnim und seiner Frau. Auch Achim und Annabell von Arnim, geborene von Stösser sind hier begraben, die sich am 11. Mai 1945, wenige Tage nach der Kapitulation der Wehrmacht, das Leben nahmen.

Bernd von Arnim, als preußischer Landwirtschaftsminister von den Criewenern „Exelenz" genannt, begründete die berühmte Criewener Saatzucht, die eigene Weizen- und Rübensorten züchtete und bis heute in verschiedenen Betriebsformen weiterläuft. Aus dem Arnimschen Gut ging in der DDR das Volkseigene Gut Criewen hervor, das seinen Sitz auf dem Vorwerk nahm, inzwischen aber aufgelöst wurde. Hier wurden die „Uckermärker", ein Fleischrind mit Charolais-Einkreuzung, gezüchtet. Die Flächen des Gutes konnte der Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparkes Unteres Odertal erwerben, um sie ortsansässigen Landwirten als Austauschflächen gegen bisher im Kerngebiet genutzte Flächen anzubieten. Auf diese Weise soll es gelingen, das Kerngebiet von landwirtschaftlicher Nutzung frei zu machen, ohne bestehende landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz zu gefährden.

Die drei Kinder des letzten Criewener Gutsherrn sind bis heute den Ortsbewohnern verbunden geblieben. Stets hielten sie Kontakt zu den früheren Gutsarbeitern. Insbesondere die Jugendarbeit der Kirchengemeinde und die Sanierung der Kirche werden von ihnen finanziell unterstützt.

Aus den Erzählungen alter Criewener ist etwas vom liberalen Geist der Arnims zu spüren, und sowohl den "Major" (Achim von Arnim), erst recht "Exzellenz" (Bernd von Arnim) haben die alten Criewener noch gut in Erinnerung. Daran hat auch eine 40jährige DDR-Geschichtsbearbeitung mit dem Zerrbild vom "blutsaugenden Junker" nichts ändern können.

Dem Nationalpark und dem Ausbau von Schloss und Gutshof zum Nationalparkzentrum standen und stehen die Nachfahren positiv gegenüber. Ihr Antrag auf Rückübertragung wurde jedoch auf Grund der Gesetzeslage abgelehnt. Damit ist die Geschichte derer von Arnim in Criewen zu Ende gegangen.

Der Nationalpark

Vor dem Ostgiebel der Kirche fand am 10. September 1995 der Eröffnungsgottesdienst des Nationalparkes zum Thema "Eine Arche an der Oder" statt. In der von Kindern gespielten Geschichte ließ Noah eine Taube über dem Nationalpark fliegen als Symbol dafür, dass hier ein Stück der Erde bewahrt wird und der Mensch in Frieden mit der Natur leben will.

In dem ehemaligen, 1820 errichteten Gutshaus war nach dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte lang das Internat für die Landwirtschaftslehrlinge des Volkseigenen Gutes untergebracht. Nach 1989 nutzte der Kreis das Gebäude für sein Landschulheim. Hier haben nun nach gründlicher Restaurierung die für den Nationalpark bedeutsamen Einrichtungen ihren Platz gefunden.

Westlich des Parkes liegt die ehemalige Gutsgärtnerei, die heute vom Verein Umweltwerkstatt als Lehrgarten für einheimische Pflanzen betrieben wird. Sie pflegt auch die alte, inzwischen erweiterte Streuobstwiese, nicht zuletzt mit Hilfe einer kleinen Gruppe rauhwolliger Pommernschafe, einer alten, vom Aussterben bedrohten einheimischen Haustierrasse. Mit etwas Glück sieht man den Kleinspecht (Dryobates minor), der alte Obstbäume und baumreiche Gartenanlagen liebt. In den Fugen der Feldsteinmauer des Gartens, besonders häufig im Bereich des Weinstockglashauses, wächst der in Brandenburg sehr seltene Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria) in dichten Büscheln.

Im ehemaligen Vorwerk befindet sich ein modernes therapeutisches Zentrum (Wohnstätte) für Suchtkranke.

Kommentare

Am 27.02.09 war ich wie in jedem Jahr, mit Freunden, im `Unteren Odertal`. Leider waren keine Singschwäne zu sehen. So besuchten wir das Besucherzentrum. Hier fanden wir einen jungen Mann der unsere Entäuschung linderte. Er zeigte uns auf der Karte Reviere , wo man die Singschwäne sehen konnte. Der Tip war ausgezeichnet. Dafür möchte ich mich bedanken MfG Günter Moritz

Ist es mgl. des streitbaren Pfarrers Grabstelle im Bild hier darzustellen? Ist immerhin in den Inventaren der Denkmalpflege ausdrücklich genannt und so über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Danke, ich schaue wieder rein.... S.Fischer Chemnitz

Wo befindet sich das Areal, wo die Wisente untergebracht sind ? Es stand in der Zeitung "nahe Criewen"

Im Ort Criewen ist ein Nationalpark-Parkplatz ausgeschildert, der allerdings kaum genutzt wird. An diesen Parkplatz grenzt ein ehemaliges Stallareal an, die sogenannte Hühnerfarm. An dieser entlang führt ein Weg, der erst als Plattenweg ausgebaut ist und dann ein einfacher Sandweg wird. Auf diesem Weg - ca. 300 m weit vom Parkplatz aus - stehen die Wisente linker Hand. Ein Kartenausschnitt findet sich jetzt auch auf der Seite Wisente - Auerochsen - Wasserbüffel.

Man fährt die Kastanienallee hoch, biegt links Richtung Spielplatz ab. Dann immer gerade aus bis ein eine Art Schotterweg kommt. Auf diesem Sandweg immer weiter. Auf der linken Seite befindet sich das große eingezäunte Gebiet, indem man die Wisente findet :)

1963 bis 1968 war ich Lehrling im Schloß criewen.Danach Geselle. Gibt es noch jemanden aus der damaligen Lehrlingsschaft?

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