Gartz

Auf kurzem Wege durch eine lange Geschichte

Der Kern der Stadt Gartz wird von einer mittelalterlichen ovalen Stadtanlage gebildet. Es dauert nicht länger als eine gute halbe Stunde, um die in wesentlichen Teilen erhaltene Stadtbefestigung zu umrunden. Teile der Stadtmauer mit dem Pulverturm, dem Storchenturm, dem Stettiner Turm, der Ruine des Blauen Hutes und mit vorgelagerten Wallanlagen sind gut erhalten und liebevoll restauriert. Die Stadtmauer ist durchschnittlich 7 m hoch und 2 m breit und im 13. Jahrhundert aus den hier reichlich vorhandenen Feldsteinen errichtet worden.

Bereits im Jahre 1124 wird Gartz das erstemal urkundlich erwähnt, als der große Pommernmissionar Bischof Otto von Bamberg auf einer seiner Missionsreisen den Ort besuchte. Wenige Jahre später begann bereits der Weinanbau an den Hängen des Gartzer Schrey, der während des sehr warmen Hochmittelalters üblich war und im Jahre 1307 durch einen Abgabezins für Weinberge geregelt wurde. 1249 verlieh Herzog Barnim I. von Pommern Gartz das Stadtrecht nach Magdeburger Recht. Bereits in dieser Zeit existierten Kirche und Rathaus und eine Fähre über die Oder. 1258 wurde die Stadtmauer errichtet, 30 Jahre später ein Nonnenkloster und daneben das Heilig-Geist-Hospital, Spittel genannt.

Stephanskirche in Gartz

 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind bereits mehrere Wind- und Wassermühlen verbürgt, ebenso der erste Oderbrückenbau, den 1630 die Schweden zerstörten. Auch die Augustiner ließen sich in der Stadt nieder. Im 14. und 15. Jahrhundert war Gartz zwischen Pommern, Mecklenburg und Brandenburg heftig umkämpft. Im 30jährigen Krieg wurde Gartz von den Schweden, später auch von Polen und Russen erobert, besetzt und zerstört. 1721 fiel es an Preußen, dessen König Friedrich II. die Gegend erneut besiedeln ließ.

 

 

 

Innerhalb der Stadtmauern sind die St. Stephanskirche im Zentrum und die Kirche zum Heiligen Geist sehenswert. Vom Kirchturm hat man einen überwältigenden Blick auf die Umgebung. Die Kirche ist ohne Frage das interessanteste Bauwerk. Schon 1259 wird ein Vorgängerbau erstmals urkundlich erwähnt, von dem aber vermutlich nur die Sakristei mit dem Kreuzgewölbe den Umbau im 15. Jahrhundert überlebt hat. So wurde der Chor entsprechend der Hinrich-Brunsberg-Schule aus Stettin zu einem achtstrahligen Sterngewölbe weiterentwickelt, während das alte Langhaus in eine dreischiffige Hallenkirche umgebaut wurde. Von der ursprünglichen Ausstattung ist nichts mehr erhalten.

Der Krieg und seine Folgen

Am 21. April 1945 wurde die Kirche ebenso wie Gartz zu 80% zerstört. Nur Chor und Sakristei überstanden, geschützt durch eine Brandmauer, die Feuersbrunst. Selbst Gewölbe und Dachstuhl blieben erhalten. Noch in den 50er Jahren wurde der Chor von der Gemeinde genutzt, verfiel zusehends und wurde erst in den 80er Jahren wiederhergestellt. Die drei Joche der beiden Seitenschiffe und des Hauptschiffes wurden aber nicht aufgebaut. So entstand ein atriumartiger, von den Außenwänden begrenzter Innenhof. Für die 2.000 Einwohner von Gartz bietet der wiederhergestellte Chor ausreichend Platz.

Ein großer Teil der Innenstadt ist heute wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse und fehlender Investoren noch nicht wieder aufgebaut, andererseits stören DDR-typische große Wohnblöcke das Stadtbild. In mehreren Seitenstraßen finden wir aber noch das alte Kopfsteinpflaster und idyllische Winkel, die an das alte Gartz erinnern.

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