Lunow

Die Lunower Kirche

Ganz im Süden des Nationalparks

Lunow ist der südlichste Ort am Rande des Nationalparks. Von Lunow aus kann man den Trockenpolder erkunden, der gleich hinter der Brücke über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße liegt. Man kann mit dem Fahrrad auf den Deichwegen nach Norden durch den Nationalpark oder nach Süden ins Oderbruch fahren (Oder-Neiße-Radweg).

Die Geschichte

Wie das ganze Gebiet wurde auch der Lunower Bereich Anfang des 13. Jahrhunderts von deutschsprachigen Siedlern aus dem Flämischen kolonisiert. Während die hier ansässige slawische Bevölkerung sich wohl hauptsächlich dem Fischfang widmete, arbeiteten die einwandernden Deutschen als Viehzüchter und Ackerbauern. Beide Bevölkerungsgruppen sind im Laufe der Jahrhunderte zusammengewachsen und verschmolzen. Die Neusiedler aus dem Westen Europas brachten den christlichen Glauben mit und haben sehr bald die Kirche errichtet.

Alte Gräberfunde geben jedoch Zeugnis von einer noch früheren Besiedlung der Lunower Ortslage. Die Beigaben, beispielsweise des „Burgundengrabes", sind heute im Heimatmuseum Bad Freienwalde zu sehen. Als in der Völkerwanderungszeit die hier lebenden Germanen nach Westen wanderten, rückten von Osten her Slawen nach, die als Wenden das Land zwischen Oder und Elbe in Besitz nahmen. Auch der Ortsname Lunow ist erkennbar slawischen Ursprungs und deutet auf Lehm- oder Ackererde hin.

Halbwegs gesicherte Erkenntnisse über die Geschichte des Ortes gibt es jedoch erst für die Zeit nach dem 30jährigen Krieg.

Wir wissen, dass es in Lunow zwei Lehnschulzen, im heutigen Sprachgebrauch wohl Bürgermeister, gegeben hat, der eine davon übrigens der einzige Kietzschulze in der Uckermark. In Lunow gab es den "Lehnschulzenhof" (Meyerhof) und den "Wasserlehnschulzenhof" (Fischerschulze). Der eine wird ursprünglich für das deutsche Bauerndorf zuständig gewesen sein, der andere für den slawischen Fischerkietz. Beide waren Lehnschulzengerichte, also unterste Instanz des obrigkeitlichen Lehnsystems. Erst 1874 wurde das erbliche Lehnschulzenamt abgeschafft und gewählte Gemeindevorsteher traten an deren Stelle.

Die Heldentat

Ein herausragendes Ereignis der Ortsgeschichte war die Ordensverleihung an die Gemeinde Lunow im Jahre 1812. Nach der vernichtenden Niederlage der preußischen Armee 1806 gegen die Truppen Napoleons bei Jena und Auerstedt versuchten die Reste der preußischen Truppen sich in Richtung Nordosten zu retten. Am 25. Oktober wurde Berlin besetzt, drei Tage später kapitulierte die preußische Armee in Prenzlau. In panikartiger Auflösung versuchten sich die Reste des Heeres über die Oder nach Osten abzusetzen. Sie folgten dem König, der nach Memel geflohen war.

Die französische Armeeführung bemühte sich, durch eine schnelle Besetzung der Oderbrücken den geschlagenen Truppen den Rückzug nach Osten abzuschneiden. In den Orten an der Oder half die Bevölkerung den Flüchtenden weiter.

Besonderen Mut und hervorragendes Organisationstalent bewiesen bei diesen Rettungsaktionen die Bürger von Lunow und Stützkow, die trotz der von den Franzosen angedrohten Todesstrafe immer wieder heimlich Flüchtlinge mit ihren Kähnen übersetzten.

Pfarrer Gottfried Kopp, unfreiwillig Gastgeber des französischen Ortskommandanten, war in Lunow vermutlich der Cheforganisator, in Stützkow war es der Gerichtsschulze Samuel Fiedler. Die Boote, die keineswegs alle zu den von den Franzosen angeordneten Sammelstellen gebracht worden waren, hielten sie tagsüber versteckt und wagten nur bei Nacht die Überfahrt. In der über acht Monate dauernden Besatzungszeit von Lunow und Stützkow ist kein einziger Denunziationsfall bekannt geworden.

Aller Wahrscheinlichkeit nach sind hohe preußische Offiziere und Beamte, vielleicht sogar Mitglieder der königlichen Familie übergesetzt worden. So wurde durch allerhöchste Kabinettsorder vom 27. Juli 1811 bestimmt, dass das Goldene Zivilehrenzeichen (erster Klasse) den Einwohnern beider Gemeinden für ihr tapferes Verhalten verliehen werde. Auf Vorschlag der Obrigkeit wurde der Lunower Orden in den (eigens dafür neu angeschafften) Abendmahlskelch eingelassen.

Dieser wurde durch eine Sammlung finanziert, zu der zehn Taler und zehn Guthegroschen zusammenkamen. Noch heute ist dieser Abendmahlskelch im Besitz der Kirchengemeinde und dient nach wie vor seiner ursprünglichen Bestimmung. Der Stützkower Orden, der wegen des hartnäckigen Widerstandes des Predigers Schmidt nie in einen Kelch eingearbeitet wurde, ging in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren.

In der Lunower Kirche, die im Sommer meist zugänglich ist, befindet sich ein barocker Kanzelaltar des Mohriner Bildschnitzers Heinrich Bernhard Hattenkerell aus dem Jahre 1725.

Auf der Denkmalliste des Landkreises befindet sich neben der Kirche das Gebäude des Evangelischen Kindergartens. Er wurde von Anfang an als Kindergarten konzipiert und 1907/08 errichtet. Er ist bis heute - mit Unterbrechungen nach dem 1. Weltkrieg - in Betrieb und beherbergt die jüngsten Bewohner Lunows sowie der umliegenden Ortschaften.

Für Gäste

Im ehemaligen Stallgebäude hinter dem Kindergarten befindet sich seit Sommer 2008 „Café Goldrand", dass von der Kirchengemeinde getragen und von engagierten Lunowerinnen betrieben wird. Vom 1. Mai bis 3. Oktober hat es seine Tore für Radfahrer, Gäste und Einheimische jeweils Mittwoch bis Sonntag von 14.00 - 18.00 Uhr geöffnet.

Ansonsten kann man alles Lebensnotwendige in Lunow kaufen. Post und Supermarkt gibt es hier, Sparkasse, Friseur, Arzt- und Zahnarztpraxis, die Gaststätte Quilitz - und den Nationalpark.

Kommentare

Ihr Friedhof ist geradezu sagenhaft !! Danke, ein Berliner Radler im heißen Juni 2013

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