Schwedt

Der Industriestandort

Schwedt ist einer der wichtigen Industriestandorte des Landes Brandenburg. Die Raffinerie der PCK AG und zwei Papierfabriken arbeiten hier am Rande des Nationalparks. Die enge Nachbarschaft von Industrie und Nationalpark belegen, dass es durchaus möglich ist, Produktion und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Im April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde Schwedt als „Festung" erbittert und sinnlos verteidigt und nahezu vollständig zerstört. Über 84% der Stadt fiel dem schweren sowjetischen Artilleriebeschuss zum Opfer.

Die Schwedter Altstadt

Nur noch wenige Bauwerke bezeugen die 730-jährige Geschichte der Stadt. Eines der ältesten ist die evangelische Katharinenkirche, ein Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Jüngeren Datums sind die katholische Marienkirche, das Amtsgericht und die ehemalige Seifenfabrik. Sehenswert sind aber auch der Berlischky-Pavillon, die ehemalige französisch-reformierte Kirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und der Ermelerspeicher an der Lindenallee, in dem sich heute die Stadtbibliothek befindet.

Bedeutsamer für das Stadtbild aber ist der Ausbau Schwedts als Industriestandort in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals wurde aus dem abseits gelegenen kleinen, verschlafenen Oderstädtchen eine sozialistische Musterstadt. Viele moderne Gebäude zeugen noch heute vom Wesen und Selbstverständnis der DDR.

Schwedt wird geprägt durch die PCK Raffinerie GmbH. Sie ist direkt an die aus Russland und Polen nach Deutschland führende, 3.000 km lange Erdölpipeline angeschlossen und produziert die verschiedensten petrolchemischen Produkte wie Flüssiggas, Propan, Butan, Normalbenzin, Superkraftstoffe, Dieselkraftstoffe, Düsentreibstoffe, Heizöle, mehrere Bitumensorten und Schwefel, aber auch Faserrohstoffe für Acryl- und Polyesterfasern, Stickstoffdünger und Aromaten. Andere Produktionszweige, wie die Herstellung von Futtermitteleiweiß, welche die DDR in ihrem Autarkiestreben hier angesiedelt hatte, wurden aus ökonomischen Gründen und zum Nutzen der Umwelt nach der Wende eingestellt. Die PCK ist heute eine der größten Raffinerien Deutschlands, besitzt eine große Verarbeitungstiefe und eine einzigartige Rückstandskonversion. Die Kläranlage wurde bereits modernisiert; ein neues Industriekraftwerk mit moderner Entschwefelungsanlage hat 1998 den Betrieb aufgenommen.

Die Uckermärkischen Bühnen SchwedtSchwedt ist bis heute die Stadt mit dem höchsten Plattenbauanteil der ehemaligen DDR. Ihre Bevölkerungszahl ist seit 1989, wie in der ganzen Uckermark, rückläufig. Während Schwedt 1989 noch ca. 52.000 Einwohner hatte, ist die Zahl der mit Hauptwohnsitz gemeldeten Einwohner bis zum Jahresende 2007 auf 34.700 gesunken. Umfangreicher Rückbau von Wohnraum soll die Stadt den veränderten Gegebenheiten anpassen.

 

In alten Zeiten

Auf dem höchsten Punkt einer Talsandinsel zwischen der Oder und dem heute verlandeten Mittelbruch ist schon in slawischer Zeit eine Fluchtburg um ein Heiligtum entstanden, deren Lage im Bereich der evangelischen Stadtkirche zu suchen ist.

Die älteste urkundliche Erwähnung der Stadt Schwedt stammt aus dem Jahre 1265. Die Lage am einzigen Oderübergang zwischen Stettin und Oderberg, am Kreuzungspunkt der "Via Regia" von Berlin nach Stettin und der Straße von Prenzlau nach Königsberg/Neumark begünstigte die Ansiedlung von Ackerbürgern, Händlern und Gewerbetreibenden. Schwedt gehörte zu dieser Zeit den Herzögen von Pommern. Erst 1468 kam die Stadt zu Brandenburg.

Der Wasserzoll gehörte zu den wichtigsten Einnahmen, eine Fähre verband die Uckermark und die östlich der Oder gelegene Neumark. Die Oder floss ja bis zu den wasserbaulichen Maßnahmen um die Wende zum 20. Jahrhundert direkt vor den Toren der Stadt.

1582 ließen die Grafen von Hohenstein, die Schwedt von 1481 bis zum Erlöschen der Linie im Jahre 1609 als Lehen besaßen, einen Knüppeldamm durch die 3 km breite Oderniederung anlegen. Eine Pfahl- bzw. Schiffsbrücke löste später die Fähre ab und verbesserte damit die Verkehrsverbindung in die Neumark.

Im 30jährigen Krieg wurde Schwedt mehrfach verwüstet und im Herbst 1637 fast vollständig zerstört. Wallenstein und Gustav Adolf von Schweden brandschatzten die Stadt. Die Bevölkerung sank von 1500 auf 280 Einwohner. Ein Gedenkstein am Rande der Stadt erinnert an diese schwere Zeit.

Der Große Kurfürst begann 1685 mit der Ansiedlung von Hugenotten, die viele neue Gewerke mitbrachten und Schwedt zu einem wichtigen Zentrum der Tabakverarbeitung und des Tabakhandels machten. Viele französische Namen sind aus dieser Zeit geblieben.

Schwedt - Blick zum Kirchturm 1692 erhielt Prinz Philipp Wilhelm, Markgraf von Brandenburg und ältester Sohn des Großen Kurfürsten und seiner zweiten Gemahlin Dorothea, die Herrschaft Schwedt, die bisher als Witwengut gedient hatte. Damit entstand die Markgrafschaft Schwedt. Die Stadt wurde zur barocken Residenz umgestaltet. Vor allem Markgraf Friedrich Wilhelm, der von 1719-1771 herrschte und wegen seiner ungezügelten Willkürherrschaft der "tolle Markgraf" genannt wurde, ließ das Schloss zur Dreiflügelanlage mit stadtseitigem Ehrenhof ausbauen. Heute steht an dieser Stelle das Kulturhaus und Theater. Weitere Prunkbauten und die repräsentative Schlossfreiheit, die heutige Lindenallee von nahezu 100 m Breite, welche die Berliner Ausmaße noch übertreffen sollte, entstanden in dieser Zeit. Das Geld für ihre kulturelle Entfaltung hatten die Grafen aus einer Erbheiratsregelung mit der Hauptlinie der Hohenzollern erhalten.

Der Bruder und Nachfolger des Markgrafen Friedrich Wilhelm, Markgraf Friedrich Heinrich, ließ die Rundkirche, das Rathaus und die Parks Monplaisir und Heinrichslust gestalten und galt als Förderer der Künste. Als er ohne männliche Erben starb, fiel die Herrschaft vertragsgemäß an das Stammhaus der Hohenzollern zurück. Das Schloss diente als Sitz der königlichen Hof- und Forstverwaltung. Die Eröffnung der Bahnlinie Berlin-Stettin im Jahre 1843 brachte Schwedt ins Abseits. Erst 1873 erhielt es über eine Stichbahn Anschluss an das Gleisnetz.

Um 1900 war etwa ein Drittel der zehntausend Einwohner Schwedts im Tabakgewerbe tätig. Sie bauten Tabak an, betrieben Tabakhandel und arbeiteten in den zwanzig Tabak- und Zigarrenfabriken. Zahlreiche Tabaktrockenscheunen und -speicher prägten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auch das Stadtbild. Heute ist der deutsche Tabakanbau nur marktfähig, wenn er hoch subventioniert wird.

Kommentare

Erstaunlich, dass der Tabakanbau bis ins 20. Jahrhundert hinein in unseren Breiten vertreten war. Gibt es das heute noch irgendwo, Tabakproduktion in Mitteleuropa?? Grüße an alle, Gawazn

Ja, bei Gartz im Norden des Nationalparks ist im vergangenen Jahr noch Taback angebaut worden.

Ja, die gibt es auch heute noch, z.B. in der Pfalz in der Gegend um Jockgrim

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