Stolpe

Blick in den Spolper PolderMit Weitblick

Wer einen Überblick über den südlichen Bereich des Nationalparks bekommen will, der sollte in Stolpe den „Grützpott", den über Ort und Odertal liegenden romanischen Burgturm aufsuchen.

Der Stolper Turm ist über mehrere Wege zu erreichen. Am besten durchqueren Sie den Ort über die ausgebaute Dorfstraße in nördliche Richtung bis zum Parkplatz. Von dort führt ein kurzer Fußweg durch dichten Baumbestand auf die kahle Kuppe des unbewaldeten Odertalhügels. Urplötzlich steht man vor einem Rundturm mit gewaltigen Ausmaßen. Er hat einen Durchmesser von 17,80 m, eine Höhe von 18 m und reicht unterhalb des Turmhügels bis in 10 m Tiefe. Mit seinen 5 bis 6 m starken Mauern zählt er zu den stärksten Bergfrieden Deutschlands. Die Turmburg von Stolpe, die sowohl Wohn- als auch Wehrfunktion vereinigte, ist im norddeutschen Tiefland ohne Parallele. Sie entspricht den Reichsburgen, die von König Waldemar dem Großen in Dänemark angelegt worden sind.

Von dem grasbewachsenen Hügel hat man in Richtung Südosten einen grandiosen Blick stromauf- und stromabwärts in das hier besonders breite Odertal. Der Hügel selbst ist als typischer Trockenrasenstandort floristisch interessant.

Im vor uns liegenden Poldergebiet zwischen der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und der Stromoder liegen gewaltige Mengen von Kies und Kiessanden, deren Abbau nicht nur aufwendig, teuer und ökologisch äußerst bedenklich, sondern durch das Nationalparkgesetz von 1995 auch verboten ist. So bleibt der kommenden Generation die naturnahe Flußauenlandschaft erhalten.

 

Der GrützpottDie Geschichte

Vermutlich im 8. Jahrhundert wurde an der Südostgrenze des Stammesgebietes der slawischen Ukraner eine befestigte Siedlung auf einem weit über das Odertal hinausragenden Hügel angelegt. Die Ukraner, die im 6. Jahrhundert das in der Völkerwanderungszeit nahezu menschenleere Gebiet zwischen der Oder und der oberen Havel besetzt hatte, siedelte beiderseits der Uecker bis zum Oderhaff und wurde namensgebend für die Uckermark.

Zwei große, in einer Holz-Erde-Konstruktion aufgeworfene Wälle und davor gelagerte Gräben schützten die Siedlung an den gefährdeten Stellen. Auch außerhalb der Burganlage weisen zahlreiche Funde auf eine dichte Besiedlung.

Mitte des 12. Jahrhunderts führten deutsche, dänische und polnische Fürsten einen Kreuzzug gegen die Pommern und benachbarte Slawenstämme. Die Burg Stolpe geriet unter die Herrschaft von Herzog Bogislaw I. von Pommern. Im Jahre 1230 gelangte der kleine, in die bewaldeten Odertalhänge geschmiegte Ort Stolpe in den Besitz der Askanier, die hier eine Vogtei errichteten. In den alten slawischen Burgwall bauten sie einen mächtigen Bergfried, einen aus ortsüblichem Backstein errichteten romanischen Wehrturm. Noch heute sind die Reste dieses mittelalterlichen Bergfriedes weithin sichtbar und für das ganze Gebiet prägend. Der Turmhügel wurde mit einer Mauer umgeben und durch eine Toranlage zugänglich. Außen schützen ein Graben und ein bogenförmiger Wall den Hügel.

Im Jahre 1286 wurde dem im Schutz der Burg entstandene Ort das Stadtrecht verliehen, konnte aber keine größere Bedeutung erreichen. Dafür war der Ort zu abgelegen und in die Oderrandberge zu sehr eingezwängt. 1345 kam Stolpe mit weiteren Oderorten in den Besitz der Pommernherzöge. Sie verlegten die askanische Probstei nach Angermünde. Auch die wichtigste Handelsverbindung zwischen Berlin und Stettin verlief nun durch diese Stadt.

In pommerscher Zeit kam Stolpe in den Besitz der Familie von Buch, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Unteren Odertal heimisch blieb. 1446 eroberte der brandenburgische Kurfürst Friedrich II. die Burg. Hans von Buch bestätigte, seinen Besitz in offener Fehde an den Hohenzollern verloren zu haben. Daraufhin übertrug ihm der Kurfürst Burg und Dorf als Lehen.

Die Sage vom Grützpott

Eine Sage erklärt den Namen des Turmes: Vor vielen Jahrhunderten lebte auf der Burg der Ritter Tiloff, der ein ungezügeltes Leben führte. Vor allem auf Handelsleute hatte er es abgesehen. An Markttagen spionierte er in Stettin aus, welcher Kaufmann viel Geld oder wertvolle Ware mit sich führte, wenn er mit dem Kaufmannswagen durch sein Gebiet käme. Diesen plünderte er dann völlig aus. Einmal hatte es der Raubritter auf einen Händler aus Schlesien abgesehen, der viel Leinen verkauft hatte. Im Stolper Wald überfiel er ihn mit gezücktem Schwert. Der Kaufmann aber war auf der Hut. Er zog seine Pistole, die er mit einem silbernen Knopf geladen hatte, und traf den Ritter ins Herz. Der fiel tot vom Pferde. Entsetzt flohen die Knappen auf die Burg.

Als die Kunde vom Tode des Ritters Tiloff in die umliegenden Dörfer drang, rotteten sich die Bauern zusammen, um die verhasste Burg zu zerstören. Bald waren sie im Besitz derselben, nur in dem Bergfried waren noch Kumpane des Ritters verschanzt. Alles Verfügbare warfen sie auf die Angreifer herab, als sie keine Steine und kein Pech mehr besaßen, sogar ihr Mittagessen, einen dicken Grützbrei. Der Stolper Schmied, der auf der obersten Sprosse der Sturmleiter stand, bekam die heiße Grütze auf die Sturmhaube. Mit den Worten: "Den Grützpott werden wir bald ausräuchern!" stieß er unerschrocken die Bohlentür auf. Das war das Ende des Raubritternestes.

Entdeckungen

Als 1991 bei unsachgemäßen Restaurierungsarbeiten die archäologischen Kulturschichten aus dem Wohnturm entfernt wurden, führten Mitarbeiter des brandenburgischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte eine mehrmonatige Notbergung durch. In dem angeblich wertlosen Schutt fanden sie Spuren eines gewaltigen Brandes. Über 200 Armbrustbolzen, Bruchstücke ältester Feuerwaffen, Rüstungsteile und menschliche Knochen zeugten von heftigen Kampf.

Mit einer ortskundigen Begleitung und ausgerüstet mit Taschenlampen können wir durch den erst 1848 vom Geologen von Buch gegrabenen 20 m langen unterirdischen Gang in den achteckigen, 15 m hohen verliesartigen Raum im Turm gelangen.

Das Schloß

Am Fuße des Burgberges entstand 1553 das Schloss Stolpe, das nach einem Brand im Jahre 1917 nahezu vollständig neu aufgebaut werden musste. Es liegt in einem von Peter Joseph Lennè angelegten Park und beherbergt seit dem Zweiten Weltkrieg ein Kinderheim.

Kommentare

Der unterirdische Gang ist gut begehbar und beleuchtet; eine Taschenlampe nicht mehr nötig.

Vielen Dank für den Hinweis. Allerdings ist der Gang in der Regel mit einer sehr massiven Stahltür verschlossen, so dass mir diese Neuerung bislang entgangen ist.

Der Gang in das Innere des Turmes lohnt sich auf jeden Fall. Man sollte sich eine Führung nicht entgehen lassen, da sich die Zuständigen viel Mühe mit dem Ausbau des Turms gegeben haben.

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