Vierraden

Vier Räder und die Welse

Vierraden - der etwas ungewöhnliche Ortsname leitet sich von der Wassermühle ab, die hier einst mit ihren vier Wasserrädern von der Welse getrieben wurde.

1265 wird der Ort das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Es ist die gleiche Urkunde, in der wir auch von Schwedt erstmalig erfahren.

Die Reste der Burg von Vierraden Zur Sicherung des Welsepasses hatten die Pommern in Vierraden eine Grenzfestung mit Ringmauer, Wassergraben und Burgturm errichtet. Um ihren Besitz tobten heftige Kämpfe zwischen Brandenburgern, Pommern und Mecklenburgern. 1329 musste Markgraf Ludwig der Bayer eine Belagerung Vierradens aufgeben.

Aber schon 1355 führte die Verlegung der Grenze zwischen Brandenburg und Pommern in Richtung Norden zu einem Verlust der strategischen Stellung der Burg.

Um 1478 erhielt Graf Hans von Hohenstein die Burg als Lehen, der Legende nach, weil er bei dem letzten Angriff als erster über die Mauer in die Anlage eindrang. Als der Graf 1481 auch Schwedt erwarb und dort ein festes Amtshaus errichtete, verfiel die Burg in Vierraden. Erhalten blieb nur der Turm mit seinem achteckigen Oberteil.

Bevor Mitte des 19. Jahrhunderts eine Steinbrücke errichtet wurde, gab es unweit der Burg die weit und breit einzige passierbare Furt durch die Welse. Auch der Postweg von Berlin nach Stettin ging dort hindurch. Er führte über Blumenhagen vorbei an Hohenfelde und Groß Pinnow über Heinrichshof nach Gartz. Die heutige Bundesstraße B2 durch die Gartzer Heide und das Große Gartzer Bruch wurde insbesondere wegen der Unwegsamkeit des Bruchs erst später angelegt. Sie ruht bis heute auf einem Knüppeldamm, der durch den zunehmenden Schwerlastverkehr erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

1515 wurde Vierraden nach Schwedter Vorbild das Stadtrecht verliehen.

300 Jahre Tabak

1699 kamen die ersten sieben Hugenottenfamilien als Flüchtlinge aus Frankreich nach Vierraden. Sie brachten den Tabakanbau in ihre neue Heimat mit. Bereits 1765 hieß es in einem Bericht, dass alle Bürger Vierradens dem Tabakanbau nachgingen. Anbau und Verarbeitung des Tabaks haben die Stadt und ihr Umland bis heute geprägt. Zahlreiche Tabakscheunen sind Zeugen eines einstmals florierenden Erwerbszweiges.

Nach der Wende freilich ist der Tabakanbau stark zurückgegangen. Wer sich für Tabak, seinen Anbau und seine Verarbeitung interessiert, für Tabaksteuer und -schmuggel, der sollte das Vierradener Tabakmuseum besuchen. Es ist einen Besuch wert - nicht nur für Raucher.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Mit dieser Frage wird überprüft ob Sie ein Mensch oder ein SPAM-Programm sind.