Rund um den Fiddichower Polder (10), sehr urwüchsig!

Kurzinformation: 
Am besten mit dem Fahrrad zu bewältigen.
Länge: 
27.00 km
Dauer: 
eine Halbtagestour
Imbiss: 
in Schwedt und Gatow

Wegbeschreibung

Vom Zentrum der Stadt Schwedt aus, dort wo die Uckermärkischen Bühnen ihren Spielort haben und wo einst das Stadtschloss stand, beginnt die Tour in den Fiddichower Polder (10). Wir gehen nordwärts. Wo links die Bebauung endet und der Park Heinrichslust beginnt, zweigt rechts der Scheitdamm ab, eine Bitumenstraße, die in östlicher Richtung durch den Schlosswiesenpolder bis zur Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße führt. Der Schlosswiesenpolder wird leider immer noch wegen geringer landwirtschaftlicher Nutzung und wenigen Kleingärten trockengepumpt.

Hinter der Scheitdammbrücke ist man sofort im Herzstück des Internationalparkes Unteres Odertal, im Polder 10, dem Fiddichower Polder. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dieser Polder vor allem vom östlich der Oder gelegenen Fiddichow (Widuchowa) genutzt.

Für die Tour empfiehlt es sich, die Außendeiche des Polders zu nutzen. Zwar gibt es im Gebiet selbst vereinzelte Spurplattenwege, doch sind sie nur im Sommer und bei trockenem Wetter passierbar. Ihre häufige Nutzung beeinträchtigt jedoch die gerade hier ausgewiesenen oder geplanten Wildnisgebiete. Im Übrigen hat man von den auf der Deichkrone verlaufenden Wegen eine weitaus bessere Sicht.

Von der Scheitdammbrücke geht es in nordöstliche Richtung entlang der Schwedter Querfahrt, die den Schiffen den Wechsel zwischen der Hohensaatener-Friedrichsthaler Wasserstraße und der Stromoder ermöglicht. Die Schwedter Querfahrt ist im Wesentlichen ein Altarm der Oder, die früher direkt an Schwedt vorbeiführte. Hier überwintern viele Wasservögel, beispielsweise Reiher- und Schellenten (Aythya fuligula, Bucephala clangula) oder Blässrallen (Fulica atra).

Rechter Hand liegt zunächst die Schwedter Schleuse. Kommt man zur Einmündung der Schwedter Querfahrt in die Stromoder, liegt in fruchtbarer, für den Gemüse- und Frühkartoffelanbau genutzter Gegend, eingerahmt von waldigen Höhen das Dorf Ognica (Nipperwiese).

Vor Erreichen der Oder schwenkt der Spurplattenweg in nördliche Richtung, vorbei an der ehemaligen Zollstation und dem östlich der Oder gelegenen Ort Widuchowa (Fiddichow) bis zum Marienhofer Wehr.

Am Marienhofer Wehr hat man einen schönen Ausblick auf das nördlich anschließende Zwischenoderland. Hier teilt sich die Oder in die Ost- und in die Westoder. Das meiste Wasser fließt über die Ostoder zum Stettiner Haff, eine begrenzte Wassermenge wird auch über das Marienhofer Wehr in die Westoder gelassen.

Von hier führt in nordwestliche Richtung ein schöner, meist einsamer Weg auf der Deichkrone bis zur Einmündung der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße in die Westoder. Vor allem für Ornithologen ist dieses Gebiet sehr interessant. Karmingimpel (Carpodacus erythrinus), Sprosser (Luscinia luscinia) und Schlagschwirl (Locustella fluviatilis) kommen hier besonders häufig vor. Wer sich mit Vogelstimmen auskennt, kann alle fünf heimischen Rohrsängerarten und alle drei Schwirlarten ausmachen, das dürfte in Deutschland nirgendwo sonst möglich sein.

Linker Hand liegen nun die ersten großflächigen, 1995 als Totalreservat ausgewiesenen Wildnisgebiete der Oderaue. In den Gräben und Altwässern hat sich wieder eine bemerkenswerte Wasserpflanzenflora entwickelt. So konnte u.a. das in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Faden-Laichkraut (Potamogeton filiformis) nachgewiesen werden. Auch die schönen Blütenstände der Wasserfeder (Hottonia palustris) ragen an manchen Stellen aus den Gräben.

Die Mündung der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die im Mündungsgebiet gelegenen Inseln, die Herrenwerder, sind wegen der dichten Vegetation nicht einzusehen. Unmerklich ändert sich die Wegrichtung von nordwestlicher in südwestliche und südliche Richtung. Seit über zehn Jahren werden die hier liegenden Wiesen als einschürige Mähwiesen sehr spät geschnitten, ursprünglich um die Brutreviere des Seggenrohrsängers (Acrocephalus paludicola) zu schützen. Dadurch konnten sich auch die heimischen Brenndoldenwiesen renaturieren. Die für die Oder kennzeichnende Artenkombination von Sumpf-Brenndolde (Cnidium dubium), von Langblättrigem Blauweiderich (Veronica longifolia), von Weidenblatt-Schafgarbe (Achillea salicifolia) und Gottes-Gnadenkraut (Gratiola officinalis) ist auf diesen Wiesen wieder sehr gut ausgeprägt.

Der weitere Weg verläuft parallel zum Welsesee, einer schlauchartigen Ausbuchtung der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die in diesem Teil aus einem Altarm der Welse besteht. Der Welsesee ist umstanden von dem einzigen etwas größeren Hartholzauwald des Nationalparkes, in dem Eichen (Quercus) und Ulmen (Ulmus) dominieren. Gerade am Abend, wenn die Sonne im Westen hinter dem Hartholzauwald untergeht, findet sich hier manch ein romantisches Plätzchen.

Die Gräben östlich des Welsesees fallen im Sommer durch ihre dichten Decken von Wasserlinsengewächsen ("Entengrütze") auf. An einigen Stellen, die schon durch ihre smaragdgrüne Farbe auffallen, finden wir mit der Zwergwasserlinse (Wolffia arrhiza) die kleinste Blütenpflanze der Welt, die in warmen Sommern mit ihren kaum stecknadelkopfgroßen, fast kugeligen Einzelpflanzen wahre Massenbestände bilden kann.

Der Spurplattenweg wird durch eine Bitumenstraße abgelöst. Kurz vor dem Kanal überquert man eine Brücke. Blickt man von dort nach Osten, so sieht man mitten in den Polderwiesen die Wallberge. Dieses Gelände, heute weitgehend mit Eichen (Quercus), Ulmen (Ulmus) und Weiden (Salix) bestanden, stellt eine nacheiszeitliche Düne mitten im Stromtal dar, die später von den Druchströmungsmooren des Odertales teilweise wieder zugeschüttet wurde. Mittelsteinzeitliche Funde belegen ihre Anziehungskraft auf die Frühmenschen.

An der Teerofenbrücke, an der sich westlich der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße auch die naturkundliche Jugendbildungs- und Erlebnisstätte Wildnisschule mit dem Nationalparklabor befindet, biegt der Weg wieder nach Süden ab. Wir bleiben im Poldergebiet und folgen dem östlich der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße gelegenen Winterdeich auf der Deichkrone in Richtung Süden. Der Weg überquert das Schöpfwerk III, das den Polder zur schnelleren und besseren landwirtschaftlichen Nutzung im Bedarfsfall leer pumpt. Während auf der rechten Seite immer noch die monotonen Kiefernmonokulturen der Gartzer Heide dominieren, liegt auf der linken Seite das von Altarmen durchzogene, abwechslungsreiche Poldergebiet.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass dieser Polderabschnitt in seinem Westteil zum alten Flusssystem der Welse gehört hat und nicht zum Stromsystem der Uroder. Im Gegensatz zur eigentlichen Oderaue werden die Ton-, Lehm- und Sandsedimente hier von großflächig vertorften Moorböden unterlagert, die eine Folge des alten Welsestromsystems mit seinen Verlandungen sind. Auch der Charakter der Polderlandschaft trägt infolgedessen hier mehr parkähnliche Züge als sonst im Odertal üblich.

Nach 3 km erreicht der Weg Gatow. Wir bleiben auf dem Weg auf der Deichkrone. Bald sehen wir rechts, jenseits des Kanals eine Wassergewinnungsanlage der PCK Raffinerie GmbH . Hier wird Wasser aus dem Kanal entnommen und in großen Becken zum Versickern gebracht. Dieses durch den Sand gereinigte Grundwasser, eine Art Uferfiltrat, wird dann über Tiefbrunnen abgepumpt.

Linker Hand erstreckt sich eine Wiesensenke, in der im Frühjahr das Wasser besonders lange steht. In dieser Zeit ist das Gebiet ein Paradies für rastende Löffel-, Pfeif-, Krick-, Stock- und Spießenten (Anas clypeata, Anas penelope, Anas crecca, Anas platyrhynchos, Anas acuta). Im Spätwinter sind häufig Saat- und Blässgänse (Anser fabalis, Anser albifrons) sowie Höcker- und Singschwäne (Cygnus olor, Cygnus cygnus) anzutreffen, im späten Frühjahr balzen hier Kiebitz (Vanellus vanellus), Bekassine (Gallinago gallinago) und Rotschenkel (Tringa totanus).

Hinter der nächsten gesperrten Brücke mündet die Neue Welse in den Kanal. Dieses Flüsschen kommt aus einem nach dem Krieg leider ebenfalls großflächig trockengelegten Bruch, wurde mehrmals begradigt und in seinem östlichen Ende auch kanalisiert. Früher endete die Welse einige Kilometer weiter südlich, wovon heute nur noch das Rinnsal der Alten Welse zeugt.

Auf der Westseite des Kanals sind nun zwei große Papierfabriken unübersehbar. Sie haben sich weitgehend auf die Verarbeitung von Altpapier spezialisiert. Sie beweisen, dass ein geordnetes Nebeneinander von Natur und Industrie möglich ist. Schön sind die Industriegebäude gewiss nicht, aber zum Glück durch die Bäume am Ufer größtenteils verdeckt.

Nun ist bereits die Stadt Schwedt und im ferneren Westen ein Wald von Schornsteinen der PCK Raffinerie GmbH zu sehen.

Nachdem wir auch die Reste der alten, im Krieg zerstörten Scheitdammbrücke passiert haben, können wir auf einer neuen Betonbrücke den Kanal überqueren. Wir kehren auf dem Weg nach Schwedt zurück, auf dem wir unsere Tour begonnen haben.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Mit dieser Frage wird überprüft ob Sie ein Mensch oder ein SPAM-Programm sind.