Rund um den Schwedter Polder (mit ornithologischen Erlebnissen)

Kurzinformation: 
Eine Tour für Fußgänger und Radfahrer.
Länge: 
14.00 km
Dauer: 
für Fußgänger eine Tagestour für Radfahrer in einer guten Stunde zu bewältigen
Imbiss: 
in Schwedt und Krajnik Dolny (Niederkränig)

Wegbeschreibung

Der Rundweg auf den Deichen eignet sich vorzüglich für Tierbeobachtungen, da er stets mehrere Meter über den weitläufigen Polderflächen liegt und nur selten Bäume oder Sträucher die lediglich von den Hängen des Odertals begrenzte Sicht auf die weite Oderaue behindern. Der mit Spurplatten befestigte Weg auf der Deichkrone ist ganzjährig auch mit dem Rad befahrbar.

Der ungefähr 1.000 ha große Schwedter Polder (Polder B) gehört zu den wertvollsten Teilen des Nationalparkes Unteres Odertal. Bereits seit 1980 ist er als RAMSAR-Gebiet geschützt.

Günstige Beobachtungszeiten für das beschriebene Gebiet und das Umland findet der Besucher vor allem während der Überflutung und während des Vogelzuges im Frühjahr. In diesem gerade ornithologisch wichtigen Herzstück des Internationalparkes können sehr viele der fast 240 im Schutzgebiet nachgewiesenen Vogelarten beobachtet werden. Sind es im Herbst und Winter die imposanten Scharen der Bless- oder Saatgänse (Anser albifrons, Anser fabalis) mit zeitweise bis zu 50.000 Exemplaren oder die nordischen Singschwäne (Cygnus cygnus), so sind es im Frühjahr die zu Hunderten anzutreffenden Limikolen (Charadriiformes), z. B. Kampfläufer (Philomachus pugnax), Rot- und Grünschenkel (Tringa totanus, Tringa nebularia), Bruchwasserläufer (Tringa glareola) und Bekassinen (Gallinago gallinago).

Hier liegen auch die Nistplätze für den seltensten Brutvogel im Unteren Odertal, den Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola); hier hat er sein letztes zusammenhängendes Brutvorkommen in Deutschland. Sein Gesang kann allerdings mit dem des ungleich häufigeren Schilfrohrsängers (Acrocephalus schoenobaenus) verwechselt werden, der ebenfalls die Seggenwiesen besiedelt.

In den Feuchtsenken sammeln sich im Frühjahr viele Pfeif-, Krick-, Löffel-, Stock-, Schnatter-, Spieß- und Reiherenten (Anas penelope, Anas crecca, Anas clypeata, Anas platyrhynchos, Anas strepera, Anas acuta, Aythya fuligula). Aus dem Schilf ist mitunter der dumpfe Ruf der Rohrdommel (Botaurus stellaris) zu hören. Mit ein wenig Glück ist auch der mächtige Seeadler (Haliaeetus albicilla) bei der Jagd zu beobachten.

Die Wanderung beginnt und endet in Schwedt an der Brücke über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die zum Grenzübergang nach Polen führt.

Hinter der Brücke biegen wir nach links in nördliche Richtung auf den Winterdeich ab. Nach 800 m erreichen wir das Schöpfwerk 2. Wie die übrigen beiden Schöpfwerke im Gebiet hat es die Funktion, im Frühling nach dem Schließen der Ein- und Auslassbauwerke das Wasser möglichst schnell aus den Poldern abzupumpen, um die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu verbessern. Allerdings werden dadurch die Lebens- und Brutbedingungen für die Vögel der Auenlandschaft erheblich verschlechtert. Der Naturschutz bemüht sich daher intensiv darum, das energie- und damit kostenaufwendige Abpumpen der Polderflächen gänzlich einzustellen.

Wenige Meter hinter dem Schöpfwerk am Ufer des Fitte-Sees fallen große, breitkronige und niederverästete Pappeln (Populus) auf. Sie repräsentieren den einzigen größeren genetisch relativ reinen Bestand der Schwarz-Pappel (Populus nigra) im Nationalpark. Auch in den Auengebieten der Oder ist die Schwarz-Pappel sehr selten geworden. Eine Naturverjüngung gibt es an der Oder kaum noch, obwohl geeignete Standorte vorhanden sind. Ursache dafür ist, dass die Pollen der vielfach künstlich aufgeforsteten Hybridpappeln die Narben der Schwarz-Pappeln "vergiften" und eigener Pollen nicht mehr zur Bestäubung kommt. Künftige Schwarz-Pappelbestände müssten forstlich neu aufgebaut und alle Pappelhybriden in der Umgebung gleichzeitig entfernt werden.

Nach weiteren 1,7 km in nördlicher Richtung erreichen wir die auf der linken Seite gelegene Schleuse Schwedt am Beginn der sogenannten Schwedter Querfahrt. Dieser alte Oderarm, der die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Stromoder miteinander verbindet, verfügt über ökologisch hochwertige Uferbereiche. Da ihr Wasserstand stets konstant gehalten wird, der Wasserstand in der Stromoder aber je nach Wasserführung in ihrem Einzugsgebiet erheblich variiert, muss die Schwedter Schleuse diese Unterschiede ausgleichen. Sie wird ebenso wie die Schwedter Querfahrt von Schiffen benutzt, die von Stettin nach Berlin und in umgekehrter Richtung unterwegs sind.

Die Polderwiesen in diesem Bereich sind ein gutes Beispiel für die Renaturierung ehemals intensiv genutzter Rohrglanzgras-Bestände (Phalaris arundinacea). Hier haben sich Schlankseggen-Riede (Carex acuta), Fuchsschwanz-Wiesen (Alopecurus), Flutrasen und sogar erste Brenndolden-Bestände (Cnidium) entwickelt, welche die frühere Monotonie dieser Grünlandflächen mosaikartig auflösen.

An der Schleuse biegt der Weg auf der Deichkrone in nordöstlicher Richtung ab. Auf der linken Seite liegt ein artenreicher Weichholzauwald, auf der rechten die offene Polderlandschaft. Nach 900 m überqueren wir ein Auslassbauwerk, das in der Regel im Winter geöffnet und im Sommer geschlossen ist, also vor allem nach einem Hochwasser das Abfließen entsprechend dem natürlichen Gefälle von Süd nach Nord ermöglicht.

Zu Beginn der Brutperiode im April und Mai sind aus dem Auwald die melodischen Gesänge des Sprossers (Luscinia luscinia) und das Ziepen der Beutelmeise (Remiz pendulinus) zu hören, vor allem in der Abenddämmerung der schwirrende Gesang des Schlagschwirls (Locustella fluviatilis) aus dem Wald und das Schnarren des Wachtelkönigs (Crex crex) aus den Wiesen. Am Waldrand sieht man häufig jagende Fledermäuse (Mikrochiroptera), beispielsweise den Abendsegler (Nyctalus). Auf der rechten Seite ist ein alter Torfstich zu erkennen, der je nach Jahreszeit von einer Vielzahl von Vögeln bevölkert wird.

Nach weiteren 1.000 m erreichen wir ein Eiswachthaus und damit den nördlichsten Punkt dieses Rundweges. Insgesamt gibt es noch sieben Eiswachthäuser. Sie dienten im Bedarfsfall den Beobachtern von Eisgang und Hochwasser als Stützpunkt. Heute werden die Eiswachthäuser nur noch selten für ihren ursprünglichen Zweck gebraucht.

Gut 200 m hinter dem Eiswachthaus, noch vor der Wrechseemündung ist auf der rechten Seite zur Brutzeit eine der größten Trauerseeschwalben-Kolonien (Chlidonias niger) Brandenburgs zu sehen. Die Vögel nisten noch auf natürlichen Unterlagen, obgleich auch hier zusätzliche künstliche Nistmöglichkeiten geschaffen wurden.

Auf dem die Oder begleitenden Sommerdeich nach Süden wandernd gelangt man auf die Höhe der Ortschaft Ognica (Nipperwiese). Dieser kleine Ort war früher über eine Fähre mit dem Poldergebiet verbunden. 700 m südlich finden wir noch heute die Reste des 1945 zerstörten Hauses des Oderfährmanns. Auch die alten Obstbäume weisen noch auf sein Anwesen hin. Er bediente nicht nur die Oderfähre, sondern auch die hier befindliche Kahnschleuse. Früher wurde das Heu aus den Poldern mit kleinen Kähnen wie heute noch im Spreewald abtransportiert. Auf der anderen Seite der Oder ist die höchste Erhebung des Odertalrandes, der Sonnenhügel, zu sehen. Aus dem Schilfgürtel am Oderufer begleitet der Gesang der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) die Wanderer.

Nach weiteren 300 m sieht man auf der rechten Seite die einzige Kormoran-Kolonie (Phalacrocorax carbo) des Nationalparkes, zu der etwa 200 Brutpaare gehören. Aus rund 250 m lassen sich die schwarzen Seeraben, die immer wieder als Fischereischädlinge verteufelt werden, gut beobachten. Hier im Nationalpark haben sie ein sicheres Zuhause.

Nach einem Kilometer überqueren wir ein Einlassbauwerk, nach weiteren 3 km ein weiteres. Über den feuchten Wiesen auf der rechten Seite ist das "Meckern" der Bekassinen (Gallinago gallinago) zu hören, einen Laut, den diese Schnepfenvögel durch Schwingungen ihrer Schwanzfedern im Flug erzeugen. Aus den Wiesen ertönt manchmal der kurze, peitschende Ruf der Tüpfelralle (Porzana porzana).

Auf der östlichen Oderseite liegt die Ortschaft Krajnik Dolny (Niederkränig), nach der auch der nun 600 m entfernte Grenzübergang benannt ist. Wer Lust hat, kann von hier aus einen Besuch auf der polnischen Seite machen oder aber von diesem südlichsten Punkt des Rundweges aus den rund 2,5 km langen Rückweg nach Schwedt antreten.

Der traditionsreiche Niederkräniger Damm ist eine wunderschöne Allee. Er liegt mehrere Meter über der Auenlandschaft und führt von Krajnik Dolny (Niederkränig) über die Dammwiesenbrücke, die Ratswiesenbrücke und die Meglitzebrücke nach Schwedt. Vom Fahrrad- und Fußweg aus hat man immer wieder einen schönen Blick in die weite Oderlandschaft.

Bis zum Bau der Autobahnbrücke Berlin-Stettin war dieser Niederkräniger Damm die einzige Straßenverbindung durch das sumpfige weite Odertal in westöstlicher Richtung. Die Brücken wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerstört, das letzte Mal 1945. 1997/98 wurden sie mit Millionenaufwand saniert.

Von der Meglitzebrücke ist es bis Schwedt nicht mehr weit.

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