Von Schwedt nach Piasek (Peetzig) auf der polnischen Seite

Kurzinformation: 
Eine Tour für Radfahrer, die nicht immer nur Asphaltpiste suchen oder für ausdauernde Wanderer. Es ist empfehlenswert, Reisepass oder Personalausweis mitzunehmen.
Länge: 
25.00 km
Dauer: 
Tagestour
Imbiss: 
in Schwedt, Krajnik Dolny (Niederkränig), Zaton Dolna (Niedersaathen)

Wegbeschreibung

Unsere Tour beginnt in Schwedt an der Brücke über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die zum Grenzübergang nach Polen führt. Wir überqueren die Brücke in Richtung Osten, durchqueren die Polderlandschaft der Oder und kommen am inzwischen funktionslos gewordenen Grenzübergang an die Brücke über die Oder.

Jenseits des Stroms liegt Krajnik Dolny (Niederkränig). Hier biegen wir sofort nach rechts ab, auf einen ungepflasterten, aber festen Weg, der uns an der Oder entlang südwärts führt. 

Am Tal der Liebe entlang

An der linken Seite zieht sich eine dicht bewaldete, hügelige Hochebene hin, die zur Oder steil abfällt. Hier befand sich bis zum Krieg ein ausgedehnter Landschaftspark mit dem romantischen Namen Tal der Liebe. Heute ist dieses Fleckchen Erde ein wilder und ein wenig verwunschener Ort. Am Uferweg stehen an vier Stellen Wanderkarten, die auf polnisch, deutsch und englisch Wege ins Tal der Liebe weisen und über Geschichte und Biologie Auskunft geben. Wer das Tal der Liebe erkunden will, der sollte an der vierten Tafel nach links abbiegen, um das Gebiet zu bewandern.

Wer auf dem Uferweg bleibt, erreicht stromaufwärts in südwestlicher Richtung Zaton Dolna (Niedersaaten). Dies ist ein stilles, an die Berghänge geschmiegtes Dörfchen mit einer sehenswerten Kirche. Vom Vorplatz der Kirche aus genießen wir einen weiten Blick über Oder und Odertal, der bis zum Schloss Zützen reicht.

Wir können dem Oderuferweg bis nach Radun (Raduhn) folgen, müssen dabei aber allerlei Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden. Bequemer, wenn auch länger, ist der Umweg über die Höhenstraße zwischen Krajnik Dolny (Hohenkränig) und Piasek (Peetzig). Wir erreichen diese Straße von Zaton Dolna (Niedersaathen) über einen gepflasterten Weg. Auch Radun (Raduhn) ist von dort aus über eine Kopfsteinpflasterstraße zu erreichen.

Eindrucksvoller, wenn auch abenteuerlicher, ist der direkte Weg. Wer unmittelbar am Oderufer wegen des Wasserstandes nicht durchkommt, sollte, etwas landeinwärts, einem schönen Fußweg folgen, der sich s-förmig mal als Wiesenweg und mal als Waldweg aufwärts und abwärts an den Oderhängen entlang schlängelt. Der Weg ist freilich nur etwas für Wanderer, da mehrere kleinere Bäche und Moraste zu überqueren sind.

In Radun (Raduhn) empfiehlt sich als Aussichtsplatz ein Bollwerk, das durch eine Ufermauer aus Granitsteinen gesichert wird.

Der Uferweg nach Piasek (Peetzig) wird nun zunehmend sandiger, entfernt sich ein wenig von der Oder und ist anfangs von Kirschbäumen gesäumt. Unterwegs fallen auf den Hängen der Hügel immer wieder offene Stellen auf, die von Pflanzengesellschaften der Wiesensteppe eingenommen werden. Im Frühling blühen dort wahre Massenbestände der Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), oft in ihrer graublättrigen Unterart.

Etwa einen Kilometer südlich von Radun (Raduhn) sind auf einem steilen, lehmigen Südhang eines odernahen Hügels die Zottige Fahnenwicke (Oxytropis pilosa), der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) und die Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis)  anzutreffen. Am Waldrand sind einige schöne Exemplare der Feld-Ulme (Ulmus minor) zu sehen, deren Stämme und Äste von dicken Korkleisten umkleidet sind.

Am Steilufer zur Oder hin wächst unter Rotbuchen (Fagus sylvatica) auf feuchtem Geschiebelehm der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes), der heute im mitteleuropäischen Flachland eigentlich nur noch von Mauerstandorten bekannt ist.

Auf den mit Eichen (Quercus) bewaldeten Hügelkuppen zwischen Radun (Raduhn) und Piasek (Peetzig) kann der aufmerksame Wanderer auch einzelne Exemplare der Flaum-Eiche (Quercus pubescens) entdecken.

In Piasek (Peetzig) erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Wanderung. Von Schwedt aus sind das bisher gut 12 km. Das Dorf selbst liegt an einem schmalen, halbkreisförmigen Oderseitenarm. Besonders bemerkenswert ist die in Flussnähe gelegene Kirche. 

... und nun zurück

Radwanderern sei nun der direkte Rückweg von Piasek (Peetzig) über Krajnik Górny (Hohenkränig) und Krajnik Dolny (Niederkränig) nach Schwedt empfohlen. Dieser gut 15 km lange Weg hat zwar auch seine Höhen und Tiefen, ist aber asphaltiert. Die Straße durchquert den Nordteil der Puszcza Piaskowa (des Peetziger Forstes), ein großflächiges Waldgebiet mit einer höchsten Erhebung von 166m über NN.

Hier finden wir gute Beispiele für naturnahen Waldbau. Unter einer Generation von Altkiefern steht eine neue, aus Naturverjüngung entstandene Kieferngeneration, reichlich durchmischt mit Trauben- und Stiel-Eichen (Quercus petraea, Quercus robur) und unterlegt von einer reichen Bodenflora, die für diesen Waldstandort typisch ist. An anderer Stelle ist ein ähnlicher Stufenaufbau für einen Hainbuchenforst zu beobachten.

Hinter dem links zur Oder hin abbiegenden, kopfsteingepflasterten Fahrweg nach Radun (Raduhn) erreicht die Straße die offene Feldmark, der Wald tritt zurück. Im Westen sehen wir über die Oderaue weit in die Uckermark hinein, nach Osten geht der Blick über ein landwirtschaftlich genutztes Hügelland. Rechts und links des Weges stehen Linden (Tilia), zwischen ihren Stämmen liegen zahlreiche Findlinge jeder Größe, die offensichtlich aus den Äckern heraus gesammelt und hier deponiert wurden, Zeugen der eiszeitlichen Prägung des Landes.

In Krajnik Górny (Hohenkränig) liegt rechts, östlich der Straße, die Dorfkirche. Das Mauerwerk ist eine Kombination aus Granit und Backstein, gekrönt von einem barocken Ostgiebel. Der massige, viereckige Turm trägt ein mit Kupfer belegtes Zeltdach. Leider sind die Dorfkirchen in der Regel verschlossen.

Wer noch Zeit und Lust hat, kann unmittelbar westlich von Krajnik Górny (Hohenkränig) ein kleines Waldgebiet mit Eichen (Quercus) und Buchen (Fagus), Linden (Tilia) und Tannen (Abies) entdecken, das zwar etwas verwildert, aber mit Sicherheit künstlich angelegt, also der ehemalige Gutspark ist. Auch Reste der südlichen und westlichen Einfriedung, aus Granitsteinen gemauert, sind noch zu entdecken. Ein kleiner Weg führt auch von hier aus ins Tal der Liebe und zum höchsten Punkt des östlichen Odertalrandes (99 m über NN).

Hinter Krajnik Górny (Hohenkränig) erreichen wir nach einem Talmarsch von etwa einem Kilometer die Straße von Chojna (Königsberg) nach Schwedt und auf dieser in westlicher Richtung hinter Krajnik Dolny (Niederkränig) die Oder und damit die Grenze. Bis Schwedt sind es dann noch 2,5 km.

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